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07.03.2021 erstellt von: Stefan Pohl


Radtouristik-Konzept für den Hochtaunuskreis

Die Besucherzahlen im Taunus steigen. Radfahren wird immer beliebter. Der ADFC Hochtaunus sieht daher den Bedarf ein radtouristisches Gesamtkonzept im Hochtaunuskreis.

Ein solches Gesamtkonzept für Radtouristik hat der ADFC Hochtaunus bereits im Rahmen seiner Mitarbeit am Radroutennetz im Hochtaunuskreis erstellt. Dieses kann Basis für ein Radtourismus-Angebot des Hochtaunuskreises dienen.


Angesichts des immer beliebter werdenden Fahrrads sieht der ADFC Hochtaunus Bedarf für ein radtouristisches Gesamtkonzept im Hochtaunuskreis.

Ein solches Gesamtkonzept hat der ADFC Hochtaunus bereits im Rahmen seiner Mitarbeit am Radroutennetz im Hochtaunuskreis erstellt. Dieses kann Basis für ein Radtourismus-Angebot des Hochtaunuskreises dienen.

ADFC-Radtouristikkonzept Hochtaunus: Schemakarte der Rundrouten
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siehe auch: PDF-Download unten

ADFC-Radtouristikkonzept Hochtaunus: Schemakarte der Themenrouten
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siehe auch: PDF-Download unten

An dieser Stelle möchten wir in Form eines fiktiven Interviews das Konzept erläutern.

Warum ein kreisweites Radtouristikkonzept? Reichen nicht lokale Aktivitäten pro Kommune aus?

Die klare Antwort: Lokale Aktivitäten reichen nicht aus. Die Zielgruppe ist weiter gefasst als nur die Einwohner*innen der jeweiligen Kommune. Anvisiert werden sollen von dem Konzept regionale Gäste, insbesondere aus zahlungskräftigen Kundenkreisen im Rhein-Main-Gebiet, die Erholung im Taunus mit dem Fahrrad suchen. Sie kommen mit idealer Weise mit S-Bahn, U-Bahn, Weiltalbus oder Taunusbahn, aber auch mit dem Auto, fahren ihre Radrunde, erleben den Taunus, kehren ein und fahren wieder heim. Menschen, die im Hochtaunuskreis wohnen, genießen das Angebot ab der eigenen Haustür.

Der Radius dieser Zielgruppe geht deutlich über eine einzelne Kommune hinaus - auf Kreisebene passt es hingegen gut. Wenn man dann noch über die Kreisgrenze denkt, kann man ein passgenaues Rad-Angebot entwickeln. Ein Radtouristikkonzept ist zudem das zentrale Mittel zur Besucherlenkung im Naturpark Hochtaunus. Die einzelne Kommune schafft das nicht.

Wie sieht denn das ADFC-Konzept aus?

Wir setzen auf das vorhandene und ausgeschilderte Fahrradroutennetz im Hochtaunuskreis. Dann müssen keine neuen Fahrradwegweiser aufgestellt und praktisch keine neuen Wegabschnitte zum Lückenschluss zusätzlich in das Netz aufgenommen werden.
Der ADFC Hochtaunus stellt sich dabei in der Regel pro Kommune eine Hauptroute um die Kommune, also eher außerhalb der Ortslagen, vor. Diese Rundrouten haben gemeinsame Teilverläufe und stellen so ein Netz her. Rad Fahrende können dann ein Stück auf der einen Rundroute mit einer anderen Rundroute kombinieren, wenn die Ortsrunde gerade zu kurz oder zu lang ist. Eingebunden sind Themenrouten mit regionaler oder überregionaler Bedeutung. Im Hochtaunuskreis sind das der Hessische Radfernweg R6, die Regionalparkrouten, der Limesradweg, der Weiltalweg, der Usatalweg und ein noch wenig bekannter Weg entlang des Erlenbachs.

Wenn man auf dem vorhandenen Netz bleibt, warum reicht dann die vorhandene Beschilderung nicht aus?

Radtourismus ist vielfältig, es sind Familien, Einzelreisende, Senior*innen und kleine Gruppen. Sie wollen es leicht haben. Routensymbole sind auch eine Einladung zum Nachfahren. Daher bieten sich Rundwege um Kommunen an, die nicht mit Zielangaben, sondern mit einem Logo ausgeschildert sind, dem man ohne irgendwo nachzuschauen direkt folgen kann. Den Stolz und die Freude der Kinder bei einem Da geht’s weiter! kennen viele von Spaziergängen und Radtouren. Routensymbole als in die Wegweisung eingehängte Plaketten sind einfach umzusetzen und sehr günstig zu haben.

Die vorhandene Wegweisung führt von Ort zu Ort, oft gibt es eine weitere Zielangabe etwa zu einem Hauptort in der gleichen Fahrtrichtung und immer wieder Abzweige. Sie dient als Orientierung, aber damit kann man sich bei immer wieder wechselnden Richtungen nur schwer eine Runde zusammenbauen.

Kann man nicht einfach nach Karten fahren, auf denen die Routen eingezeichnet sind?

Karten sind aber ein wichtiges Hilfsmittel. Bei häufigen Abzweigungen schlägt man gefühlt häufig mehr in der Karte nach, als Rad zu fahren. Als alleinige Grundlage reicht das nicht. Detailkarten bieten im Zweifel Sicherheit, Übersichtskarten zu allen Routen sind ebenfalls ein wichtiges, flankierendes Element. Mit einem Logo, das an jedem Abzweig angebracht ist, ist das Nachfahren aber deutlich einfacher. Es geht an einer Verzweigung sofort und zweifelsfrei erkennbar weiter.

Inzwischen gibt es immer mehr Navigationsgeräte und Apps. Kann man nicht auf Wegweisungen und Routenlogos verzichten und nur Routen-Tracks anbieten?

Routen-Tracks und die Aufnahme in Online-Kartenportale, etwa dem Radroutenplaner Hessen, sind sehr nützlich. Einem Track kann man einerseits gut nachfahren, er ist andererseits aber auch unflexibel, man ist dann daran gebunden. Die Spontanität bleibt eher auf der Strecke. Die Kombination von Wegweisung und Routenlogos bieten einen hohen Komfort und Sicherheit für die Radtouristen, auch wenn mal unterwegs GPS und eine dauernde Kartenanzeige den Akku leer gesaugt hat. Gerade Ortsfremde, Frauen und Kinder schätzen die Gewissheit einer vorhandenen Wegweisung.

Jetzt gibt es schon Kommunen im Hochtaunuskreis, die Rundrouten ausgewiesen haben. Das betrifft vor allem Bad Homburg, Oberursel und Usingen. Muss das alles neu geplant werden?

Natürlich nicht. Die genannten Routen um Bad Homburg, Oberursel und Usingen sind Teil des Konzepts. Übrigens auch die Tour de Kronberg, die nach mehreren Jahren gerade neu beschildert wird. Die Oberurseler Rundroute ist sogar auf Basis des ADFC-Konzepts entstanden, ebenso wie die Buchfinkenroute um Usingen, deren Beschilderung von der Stadt vor wenigen Tagen überarbeitet und erneuert wurde.

Welche Runden sind denn konkret im Radtouristik-Konzept Hochtaunus vorgesehen?

Jede Kommune erhält zunächst eine Hauptroute eingeplant. So ergibt sich ein übersichtliches, wabenartiges Netz. Konkret sind es neue Rundrouten um Friedrichsdorf, Königstein, Glashütten, Schmitten, Neu-Anspach, Wehrheim und eine Taunushöhenrunde als attraktive Strecke entlang des Taunuskamms und als Verbindungselement. Weilrod und Grävenwiesbach haben eine Route, die wegen eigener Abwandlungen nicht mehr ganz in das Konzept passt. Sie sind aber zum Glück noch nicht explizit ausgeschildert, da kann man sich nochmal abstimmen.

Usatalweg und Erlenbachweg gehen über den Kreis hinaus. Hier muss man sich mit den Nachbarkreisen abstimmen, auf ein Routenlogo einigen und integrieren.

Alles in allem hält sich der Aufwand dafür in Grenzen, denn es sind alles Wegstücke, die heute schon intensiv beradelt werden.

Andere Kreise realisieren ein Linienkonzept, bei dem etwa von Nord nach Süd und von West nach Ost Routen verlaufen, die sich Kreuzen und ein Netzergeben. Passt das nicht auch für den Hochtaunuskreis?

Nein. Ein Linienkonzept ist gut, wenn es keine großen topografischen Hindernisse, also Berge und Täler, gibt und eine relativ geradlinige Streckenlegung möglich ist. Im Hochtaunuskreis geht das so nicht. Die Waben um die Kommunen und die Taunushöhenrunde ermöglichen es eher, entlang topografischer Linien durch den Hochtaunuskreis zu radeln und Anschluss zu weiteren Routen zu finden. Das Rundroutennetz hat zudem den Vorteil, dass sich jede Kommune individuell wiederfinden kann, jede kann ihre eigenen Akzente setzen.

Die Rundrouten laufen nach dem Konzept ja um die Kommunen herum. jetzt besteht aber auch Interesse, Touristen an Ziele zu führen, die innerhalb der Runde liegen, also etwa Sehenswürdigkeiten, Gaststätten oder Bahnhöfe. Wie geht das?

Sehr einfach: Es ist schon da! Die bestehende Wegweisung ist wieder die Basis. Man kann etwa auf der Usinger Rundroute Abzweigungen zum Hattsteinweiher als eigenes Ziel ausweisen, das macht ohnehin Sinn. Meist ist es auch nicht sehr weit, denn so groß sind die einzelnen Rundrouten auch wieder nicht. Eigene Zuführungen, von denen es bei vielen Rundrouten und zahlreichen Zielen auch viele geben müsste, sind nicht notwendig. Unter anderem für Bahnhöfe und Gaststätten gibt es sogar eigene Symbole für die Fahrradwegweisung, die man einer Zielangabe wie beispielsweise "Usingen" hinzufügt. So ist leicht zu erkennen, welcher Richtung man folgen muss. Hier empfehlen sich übrigens an geeigneten Stellen Info-Tafeln zu den Radrouten, wie es sie für Wanderwege auch gibt.

Will man von einem Abstecher zurück, wirft man halt einen Blick auf eine Karte, eine App oder eine aufgestellte Info-Tafel und folgt dem normalen Routennetz, bis man wieder auf die bekannten Logos trifft.

Was hat es mit den Info-Tafeln auf sich?

Auch das ist eine Ergänzungsmaßnahme, wie gedruckte Karten und Tracks für die Navigation. An geeigneten Stellen zeigt eine Info-Tafel eine Karte mit dem aktuellen Standort auf der Route und Anschlusspunkten. Wichtig sind auch Details zu angrenzenden Routen und Besonderheiten am Streckenabschnitt und der Route. Solche Info-Tafeln eignen sich auch, wenn zwei Routen ein gemeinsames Wegstück haben. So können Gäste auch gleich ansehen, wo die andere Route lang führt, ob man vielleicht spontan in seinen Plan einbaut oder ein anderes Mal wiederkommt. Hier können auch Gaststätten, Museen oder Hofläden für sich werben.

Kommen mit einem solchen Konzept nicht noch mehr und irgendwann zu viele Menschen in den Taunus?

Der Charme eines Gesamtkonzeptes ist es, das ohnehin wachsende Bedürfnis viel besser lenken zu können. Mit einem klaren Konzept und nicht zu viel Kleinteiligkeit lassen sich vor allem ortsunkundige auf den vorgegebenen Routen halten. Selbst wenn es dann mehr werden, was man sich ja auch wünscht, sind sie tendenziell nicht überall unterwegs. Das ist ein großer Vorteil gegenüber räumlich eingeschränkten Konzepten einzelner Kommunen. Auch lässt sich damit etwa der Naturpark Hochtaunus als Marke gut vermitteln, das Interesse des Naturparks an der Besucherlenkung wird auch bedient. Über ein bestehendes Radroutennetz kann man die Besucher*innen durch gute Angebote auf den Wegen halten. Wie heute auch, werden manche Menschen eigene Wege suchen. Es werden weniger sein, da es einfacher und einladender ist auf den ausgewiesenen Wegen zu bleiben.


Fazit des ADFC Hochtaunus

Die Umsetzung eines Radtouristik-Konzepts ist vergleichsweise leicht und kostengünstig möglich. Es hat nur Vorteile für alle Seiten und passt hervorragend in eine Zeit, in der ein Wandel zum schonenden Umgang mit der Natur stattfinden muss. Eine Vielzahl von Fördermitteln erleichtern die Umsetzung eines solchen Konzepts.

Es ist Zeit für ein radtouristisches Gesamtkonzept im Hochtaunuskreis!

Lesen Sie auch unsere Pressemitteilung zum Thema vom 7. März 2021



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